Das erste Mal bin ich auf einen Nurflügler namens Caporale aufmerksam geworden, als Beat zu einem unserer Pfingstfliegen mit einem kleinen Nurflügler auftauchte. Da Modell war sehr einfach aufgebaut. Ein Meter Spannweite, 20cm Profiltiefe innen und aussen, und das ganze 20cm zurückgepfeilt. Kann doch nicht schlau fliegen, war mein erster Gedanke... Beim Erststart am Spickgummi (5m Gummi, 12mm Durchmesser, sowie 5m Silch)) donnerte der Kleine dann auch mit vollen Speed in das hohe Grass. Hmmm... Vorstellung beendet dachte ich so für mich... doch weit gefehlt.. Beat bückte sich, nach den Caporale aus der Wiese, wische das Gras von der Nasenleiste ab und stellte den Trim etwas höher. Ich war sichtlich beeindruckt. Jedes andere Modell wäre nach einen solchen Crash hin gewesen. Der zweite Start verlief dann wesentlich erfolgreicher. Der Caporale stieg nach dem Start auf ca. 50m hoch, wo er seine Runden zu drehen begann. Ich hatte och nie zuvor ein Modell so eng eine Thermik auskurbeln sehen. Man hatte das Gefühl, das Modell würde sich nur auf der Randbogenspitze drehen. Äusserst positiv auch der Langsamflug, wird das Modell zu langsam, nimmt es die Nase nach unten und nimmt wider Fahrt auf. Auf diese Weise entsteht das so genannte "Gackern".

Nach dieser Vorführung war klar, dass der Caporale wohl das perfekte Modell für den rauen Einsatz am Hang ist. Simon Egloff, der ab den Flugleistungen dieses kleinen Nuris ebenfalls sehr angetan war, erklärte sich bereit, einen etwas schnittigeren Rumpf zu konstruieren und diesen abzuformen. Das Projekt Scorpi war gestartet.

Die ersten Rümpfe erstellte Simon noch in herkömmlicher Bauweise (Deckschicht und GFK). Ich machte mit dem Scorpi-Rumpf meine ersten Erfahrungen mit dem Abformen aus Negativformen und war von Anfang an hell begeistert. Besonders viel Freude bereitete mir das erstellen von Rümpfen mit transparentem Gelcoat in Kombination mit fein gewobenem Kohlefasergewebe oder Kohle-Kevlar Hybridgeweben. Der einzige Nachteil dieser Bauweise liegt darin, dass einem jede Lunker direkt ins Auge sticht und nicht einfach ausgespachtelt werden kann.

Die Tragflächen werden in Styro-Abachibauweise aufgebaut. Als Steckung dient ein 8mm Kohlestab, sowie ein 4mm Stab als Torsionssicherung (Bricht in der Luft bestimmt nicht!!). Da ich kein Freund von direktem Einlegen der Servokabel beim Herstellen der Flächen bin, verwende ich dazu Trinkhalme (Sangria-Röhrchen), welche sehr leicht sind, und ihren Zweck als Kabelführung perfekt erfüllen.

Durch den Einsatz von Kohlefaser im Rumpf, stand fest, dass die Antenne in der Fläche verlegt werden muss. Doch wie verlegt man eine ein Meter lange Antenne in einem nur 50cm spannenden Flügel? Ganz einfach, die Antenne wird in einem Bowdenzugrohr entlang der Nasenleiste bis knapp zum Randbogen gezogen. Dort wird ein 180 Grad Bogen mit einem 5cm Radius gezogen und die Antenne verläuft anschliessen wieder Richtung Rumpf. Auf diesen Weise ist die Antenne sauber verstaut und Empfangsproblem sind bis anhin auch keine aufgetreten.

Der ursprüngliche Caporale ist mit einem EH 2/10 im Einsatz. Diese Auslegung erschien uns jedoch als etwas lahm. So testeten wir eine ganz Reihe verschiedener Profile bei unveränderter Flächengeometrie: S-5010, S-5020, MH-64, HQ 9/1.3.

Die zwei Seligprofile liegen leistungsmässig sehr nahe beieinander. Das S5010 hat meiner Meinung nach noch die etwas besseren Flugeigenschaften als das S5020. Beide haben sehr gute Thermikflugleistungen. Das MH64 hat die interessante Eigenschaft, dass das Modell im Rückenflug ohne grössere Korrekturen neutral weiterfliegt. Doch treten im Langsamflug unschöne Abrisse über die Flächen auf (sehr unangenehm). Die Tragflächen mit dem HQ-Profil, welche ich auf Empfehlung von Helmut Quabeck verwende, ist gerade im Entstehen.

Als ich eines Abends mal wieder im Internet surfte, bin ich auf die Website einer Furnierfabrik gestossen. Diese hatte eine riesige Auswahl an diversen, wunderschönen Furnieren mit deren Eigenschaften aufgelistet. Wieso denn das Furnier unter einer Folie verstecken, wenn uns die Natur so traumhafte Holzstrukturen liefert. Eigentlich hatte es mir das Rosenbaumfurnier angetan. Als ich mich jedoch über den Preis schlau machte, und der nette Herr am andern Ende mir erklärte, dass ich mindestens einen Bund mit 24 Blatt kaufen müsse, überlegte ich mir die ganze Sache nochmals. Schliesslich wäre der Versuch bei Fr. 60.- pro Quadratmeter doch etwas teuer ausgefallen. Bei einem spontanen Besuch in der Furnierfabrik zeigte mir die Dame am Empfang eine Ecke, wo diverse Abschnitte in unterschiedlicher Länge und Qualität gelagert waren, die dann auch zu einem günstigen Preis zu kaufen waren. Ich entschied mich für je einen kleinen Bund Zebrano- und Tulpenbaumfurnier in der Stärke von 0.6mm.

Zebrano

Sehr mühsam in der Verarbeitung, da das Furnier relativ hart und seht langfaserig ist. Zudem verlaufen die Fasern nicht in einer Linie, was das Zuschneiden der einzelnen Beplankungsstücke zu einem Horrortrip werden lässt. Schlussendlich habe ich die Furnierstücke mit einer langen Schleiflatte zugeschliffen. Durch die tiefen Einkerbungen im Furnier sehr aufwendig im Finish.

Tulpenbaum

Sehr angenehm zu verarbeitendes, leichtes und dehnbares Furnier. Da das Tulpenbaumholz geschlossenporig ist, saugt es auch sehr wenig Harz auf. Durch seine intensive Färbung ist es jedoch für einen Folienfinish wenig geeignet.

Die Oberfläche der Naturholzflächen wurde bis zu 6 Mal mit einem 2-Komponenten Klarlack lackiert und jeweils anschliessend mit 400 Schleifpapier nass verschliffen. Grössere Risse oder Einkerbungen im Furnier wurden mit einem Pinsel gefüllt. Der letzte Lackauftrag erfolgte mit einem 2-K Polyurethan Klarlack matt, was einen besonders edlen Eindruck hinterlässt.
Das eigentliche Merkmal des Scorpi ist zweifelsohne sein markantes Seitenruder mit dem etwa 3 zehntel vertieften Scorpion. Versuche haben gezeigt, das die Form des Leitwerks keinen Einfluss auf die Flugeigenschaften hat. Erste Experimente mit einem Seitenruder aus Pappelsperrholz führten zu Tage, dass das Ruder bei hohen Geschwindigkeiten im oberen Bereich zum Flattern neigt. Dies konnte durch eine beidseitige Beschichtung mit Kohlegewebe eliminiert werden. Um Gewicht zu sparen, habe ich eine Form gebaut, in der zwei Lagen 80 bis 110 g/m2 Kohlegewebe eingelegt wird. Als Stützmaterial verwende ich Kevlarwaben. Auf diese Weise entsteht ein sehr leichtes, torsionssteifes Ruder.

Der Start erfolgt mit einem Spickgummi. Dieser besteht aus einem 5 Meter-Stück 12mm Hochstartgummi (Typ: schwarz), sowie einem Silch mit ebenfalls 5 Meter Länge. Das Modell kann auf diese Weise auf eine Ausgangshöhe von ca. 50 bis 70 Meter hoch katapultiert werden. Bei dieser Art von Hochstart ist der Verankerung des Hochstartgummis besonderer Beachtung zu schenken. Ein schlecht verankerter Hering wird bei voll gespanntem Gummiseil zu einem sehr gefährlichen Projektil. Schon ein gerissener Gummi kann in der Bauch und Leistengegend unangenehme Spuren hinterlassen... :-)

Das Fliegen mit dem Scorpi ist einfach genial. Durch seine kleinen Abmessungen kann er in jedem Gelände eingesetzt werden. Das Landen ohne Landehilfe ist etwas gewöhnungsdürftig. Der Scorpi übersteht jedoch auch ohne Probleme eine Landung in ein Gebüsch oder in einem kleinen Tännchen (Schliesslich ist ja kein Schwanz dran, der brechen könnte). Trotz seiner Grösse kann das Modell ziemlich weiträumig geflogen werden. Durch die dominante Sichel ist die Fluglage auch in grosser Distanz gut zu erkennen. Hat man erst einmal in einen Bart eingekurbelt, hat man das Gefühl, der Scorpi würde sich lediglich um die eine Flügelspitze drehen... so eng kann geflogen werden. Dem Schnellflug ist durch die Auslegung der Flügelgeometrie Grenzen gesetzt, doch ist der kleine Feger ganz flott unterwegs, sodass auch grössere Distanzen ohne all zu grossen Höhenverlust zurückgelegt werden kann. Rollen und Loopings sind natürlich ebenfalls kein Problem. Die Rollgeschwindigkeit ist bei Vollausschlag etwa 1.5 Rollen pro Sekunde... lässt sich doch zeigen ;-)